Miguel de Cervantes.
Das von Juan de Jauregui um 1600 gemalte Portrait gilt als das einzige authentische. Es entspricht der Selbstbeschreibung, die der Dichter im Vorwort zu seinen »exemplarischen Novellen« gibt: »der Mann, den ihr hier seht, mit dem langen, schmalen Gesicht, dem kastanienbraunen Haar, der glatten, hohen Stirn, den munteren Augen …, dies also sage ich, sind die körperlichen Merkmale des Verfassers der »Galatea« und des »Don Quijote de la Mancha«.

von Nikša Eterovic, Andreas Freudenberg,
Harald Harzheim
 
Miguel de Cervantes

Don Quijote ist ein literarisches Phänomen. Aber im Gegensatz zu anderen weltberühmten Romanhelden entstand aus Don Quijote ein Prototyp, der sich durch die projektiven Fantasien seiner »Fans« aus der Romanvorlage seines Schöpfers löste und dadurch zahllose Doppelgänger gebar bzw. eine multiple Persönlichkeit entwickelte.

 

Wieso aber widmeten viele Maler und Bildhauer der Moderne sowie zahlreiche Schriftsteller, Filmautoren oder Komponisten des 20. Jahrhunderts Don Quijote ihre Aufmerksamkeit? Was hat es mit Don Quijote auf sich, dass so viele Denker, so viele Menschen sich mit diesem erbärmlich gerüsteten und realitätsfremden Ritter identifizierten?

 

Das gesamte 20. Jahrhundert ist voll von »Don Quijoterien«. Der »Ritter von der traurigen Gestalt« ist der heimliche Star, die verdeckte männliche Symbol- und Leitfigur des aufklärungs- und fortschrittsgläubigen, des politisch brutalen und in ideologischen Widersprüchen zerissenen 20. Jahrhunderts der westlichen Hemisphäre. Verrückt?!

 

Angesichts der Fülle des Materials nähert sich die Inszenierung der komplexen Rezeption von Cervantes’ Don Quijote und seinen Doppelgängern, indem drei Stücke an drei Orten gespielt werden. Drei »Fenster« öffnen sich, die dem Zuschauer erlauben, verschiedene Don-Quijote- Perspektiven wahrzunehmen.

 

In einer mehrstündigen Theater-Reise quer durch Berlin können die Besucher zum reisenden Abenteurer werden und eine bunte Palette von don-quijotesken Eindrücken sammeln. Per Bus werden sie bequem von Spielort zu Spielort und von Stück zu Stück geleitet und mit Essen und Trinken versorgt.

 

Die drei Spielorte haben jeder für sich ein ganz eigenes Flair. Sie spiegeln durch ihren besonderen Charakter den Inhalt der Stücke wider. Teil 1 im Szene-Club »Deli«, Friedrichshain, Teil 2 im Kinosaal des ehemaligen Staatsratsgebäudes, Mitte, und Teil 3 im Gasometer, Schöneberg.

 

[ Seitenanfang ]